Vollständiger Leitfaden zur Behandlung synthetischer und natürlicher Steine.

Vollständige Anleitung zur Behandlung synthetischer Gesteine und zur Regeneration natürlicher Gesteine für Meerwasserriffaquarien.

Gesteine und allgemein besiedelbare Substrate sind seit jeher einer der wichtigsten Motoren unserer Systeme.
Früher konnte man sich auf Lebendgestein verlassen, das in Geschäften, bei Großhändlern und Importeuren weit verbreitet erhältlich war. Doch immer strengere Vorschriften haben (glücklicherweise aus ökologischer Sicht) seine Einfuhr so stark eingeschränkt, dass es heute nahezu unauffindbar ist.

Heute arbeitet man auch im Hinblick auf die Verringerung anthropogener Auswirkungen bevorzugt mit inertem Material, also mit „synthetischen“ Gesteinen, natürlichen Gesteinen fossilen Ursprungs oder toten Gesteinen aus aufgelösten Aquarien.

Die Behandlung der Gesteine vor ihrem Einsetzen ins Aquarium ist unerlässlich, um die Freisetzung organischer Materialrückstände oder unerwünschter chemischer Substanzen zu vermeiden und die Wasserchemie in einer kritischen Phase wie der Inbetriebnahme eines neuen Aquariums zu stabilisieren.
Unbehandelte inerte Gesteine können nämlich Nährstoffe, Metalle, Produktionsrückstände und verschiedene andere Schadstoffe an das System abgeben, wodurch die erste Phase der Besiedlung des Aquariums erheblich verlängert und erschwert werden kann.

Vor einigen Jahren haben wir die ersten Versuche mit einer speziellen Behandlung für synthetische und natürliche inerte Gesteine gestartet.
Nachdem wir die während der Prototyping-Phasen gesammelten Daten analysiert hatten, stellten wir fest, dass der von uns verwendete Prozess zu komplex und aufwendig war, um von Aquarienliebhabern effektiv eingesetzt zu werden, und nur von entsprechend ausgestatteten Fachleuten hätte durchgeführt werden können.

Daher entschieden wir uns, den Prozess zu vereinfachen, die Anzahl der Behandlungen zu reduzieren und weniger gefährliche, kostengünstigere und für Aquarienliebhaber leichter erhältliche Materialien zu verwenden.

Nachdem wir ein Ergebnis erzielt hatten, das mit professionellen Behandlungen vergleichbar war, beschlossen wir, das Projekt als „Open Source“ zu veröffentlichen.

Die Verringerung der Entnahme aus der Natur, die Verwendung umweltverträglicher Materialien und die Möglichkeit, natürliche Gesteine aus aufgelösten Aquarien zu regenerieren und zu recyceln, haben uns endgültig davon überzeugt, dass es am sinnvollsten war, es jedem frei zugänglich zu machen.

Dieser kurze Artikel bietet ein vereinfachtes Protokoll zur Aufbereitung von künstlichem Gestein in zwei Phasen unter Verwendung einer sauren Zitronensäurelösung sowie eines oxidierenden/basischen Bads mit Natriumpercarbonat.


Warum künstliches Gestein behandeln?

Künstliches sowie regeneriertes Natur- oder Steinbruchgestein stellen eine ökologische und nachhaltige Alternative zu in der Natur gesammeltem Lebendgestein dar.


Allerdings bringen diese sehr häufig Schwermetalle, chemische Rückstände, Verunreinigungen und/oder überschüssige Nährstoffe mit, die die Wasserparameter und das Gleichgewicht des Systems stark beeinflussen und die Einlaufphase extrem langwierig und arbeitsintensiv machen könnten.

Die Idee besteht darin, das Material in einen extremen Zustand zu versetzen, der nicht mehr auftreten wird, sobald die Steine in das System eingesetzt werden.
Der Einsatz von Säuren, Oxidationsmitteln und Basen gewährleistet die wirksame Entfernung der überwiegenden Mehrheit der typischerweise vorhandenen Verunreinigungen.

Das dreistufige Behandlungsprotokoll

Phase 1: Behandlung mit Zitronensäure

Die Säurewäsche ist entscheidend, um Rückstände alkalischer Materialien und oberflächliche Kalkablagerungen von künstlichem Gestein zu entfernen.
Bei Totgestein dient sie dazu, vorhandene Poren und Kanälchen zu öffnen, indem sie die meist stärker kontaminierte Oberflächenschicht physisch entfernt.

Zitronensäure, eine schwache organische Säure, ist sicher, leicht erhältlich und wirksam bei der Entfernung kalkhaltiger Ablagerungen sowie beim Freilegen verstopfter Kanälchen, die durch Rückstände von Kalkrotalgen und anderen krustenbildenden Organismen verschlossen sind.


Vorbereitung der Lösung:

  • Zitronensäure in Osmose- oder demineralisiertem Wasser verdünnen, um eine 2,5–5%ige Lösung zu erhalten.
    Diese Konzentration ermöglicht eine wirksame Reinigung der ersten Oberflächenschichten, ohne die Struktur des Gesteins übermäßig zu beschädigen.
    Für eine 2,5–5%ige Lösung 250–500 Gramm Zitronensäure in 10 Litern Wasser auflösen.

  • Die Steine vollständig in die Zitronensäurelösung eintauchen und 12–24 Stunden einweichen, wobei die Lösung gelegentlich umgerührt wird.

Bei Naturgestein ist zu prüfen, ob die erste Oberflächenschicht tatsächlich entfernt wird.
In der Regel genügen wenige Millimeter. Bei besonders stark kontaminiertem Material kann jedoch eine konzentriertere Lösung verwendet, die Einweichzeit verlängert oder das Bad wiederholt werden.
Eine Trübung des Wassers und eine teilweise Auflösung des kalkhaltigen Materials sind völlig normal und genau das gewünschte Ergebnis.
Kontrollieren Sie den Prozess regelmäßig, um eine übermäßige Materialauflösung zu vermeiden.

Bei keramischen synthetischen Gesteinen werden Sie dagegen keine Oberflächenauflösung beobachten, und das Wasser wird deutlich weniger trüb.
Keine Sorge: Das ist normal. In diesem Fall ist für uns vor allem wichtig, dass alle darin vorhandenen Verunreinigungen und produktionsbedingten Verunreinigungen, die auf Säurebäder reagieren, mit ihnen reagieren.


Zwischenspülung:

Nach der Säurebehandlung ist ein gründliches Abspülen erforderlich, um eventuelle Rückstände zu entfernen.
Dieser Schritt ist entscheidend, damit saure Rückstände das Oxidationsbad nicht beeinflussen.
Sie können sich mit einem Hochdruckreiniger behelfen oder einfach eine Bürste mit harten Borsten unter fließendem Wasser verwenden.
Achten Sie auf sorgfältiges Arbeiten und reinigen Sie die Oberfläche so gründlich wie möglich.

In dieser Zwischenphase können Sie Leitungswasser verwenden, sofern es nicht übermäßig verunreinigt ist.
Wenn Sie Zweifel an der Qualität Ihres Leitungswassers haben, gehen Sie kein Risiko ein und verwenden Sie Osmose- oder demineralisiertes Wasser.

Für ein besseres Ergebnis oder bei besonders verschmutzten Gesteinen können Sie sie weitere 12–24 Stunden in Osmosewasser einweichen. Wechseln Sie dabei das Wasser etwa zweimal.


Phase 2: Behandlung mit Natriumpercarbonat

Natriumpercarbonat ist eine äußerst vielseitige Verbindung, die bei der Behandlung synthetischer Gesteine eine Doppelfunktion erfüllt: Es wirkt als Oxidationsmittel, indem es eventuell vorhandene organische Rückstände entfernt, und als basischer Puffer, um einen neutralen oder leicht alkalischen pH-Wert wiederherzustellen.
Beim Auflösen in Wasser setzt Percarbonat Wasserstoffperoxid (Sauerstoffwasser) und Natriumcarbonat frei und erzielt so eine Tiefenreinigung sowie eine pH-Neutralisierung.


Vorbereitung der Lösung:

  • Natriumpercarbonat in Osmose- oder demineralisiertem Wasser verdünnen, um eine 2,5- bis 5%ige Lösung zu erhalten.
    Diese Konzentration ermöglicht eine effektive Neutralisierung eventuell verbliebener saurer Rückstände sowie die Oxidation organischer Rückstände (Nährstoffquellen) und oxidationsmittelempfindlicher Verunreinigungen.
    Für eine 2,5–5%ige Lösung 250–500 Gramm Natriumpercarbonat in 10 Litern Wasser auflösen.

  • Die Wassertemperatur (etwa 30–35 °C) kann die Reaktion beschleunigen und die Wirksamkeit der Lösung verbessern.

Behandlungsverfahren:

  1. Die mit Säure behandelten Steine in die Percarbonatlösung geben und 12–24 Stunden einweichen lassen.
    Dieser Schritt ermöglicht es dem Percarbonat, mögliche organische Rückstände zu oxidieren und gleichzeitig den pH-Wert zu stabilisieren.

  2. Die Lösung von Zeit zu Zeit umrühren, um den Kontakt zwischen den Steinen und der Lösung zu optimieren.

  3. Eventuelle Schaumbildung ist völlig normal und wird durch organische Rückstände oder Rückstände aus dem Säurebad verursacht.

Abschließendes Abspülen:

  • Nach dem Bad in Percarbonat ist eine gründliche Spülung unerlässlich, um mögliche Behandlungsrückstände und noch vorhandene Verunreinigungen zu entfernen.
    Dieser Schritt stellt sicher, dass die Steine für das Einsetzen ins Aquarium bereit und sicher sind.

  • Die Steine gründlich abspülen, diesmal unbedingt mit Osmosewasser, und dabei eine Bürste mit harten Borsten verwenden.
    Bei besonders verschmutzten oder kontaminierten Steinen können diese weitere 12–24 Stunden in Osmosewasser eingeweicht werden. Dabei sollte das Wasser ein paar Mal gewechselt werden.

 

Phase 3: Behandlung mit EDTA

EDTA (Ethylendiamintetraessigsäure) ist ein starkes Chelatbildner, der verwendet wird, um möglicherweise in synthetischen Steinen vorhandene Schwermetalle zu binden und zu entfernen. Dieser Schritt ist entscheidend, um das Risiko zu verringern, dass toxische Elemente wie Kupfer, Blei oder Zink nach und nach ins Aquarium freigesetzt werden und die Gesundheit der Meeresorganismen beeinträchtigen.

Vorbereitung der Lösung:

  • 10 g EDTA in 1 Liter Osmosewasser oder entmineralisiertem Wasser auflösen.
  • Um einen stabilen und optimalen pH-Wert (8–9) zu gewährleisten, 1 Teelöffel Natriumbicarbonat pro Liter Lösung hinzufügen.
  • Falls ein pH-Messgerät vorhanden ist, die Werte regelmäßig überprüfen: Sinkt der pH-Wert unter 8, in kleinen Mengen zusätzliches Bicarbonat hinzufügen, bis er wieder im korrekten Bereich liegt.

Behandlungsverfahren:

  1. Die zuvor abgespülten Steine in die EDTA-Lösung geben und 48–72 Stunden einweichen lassen.
  2. Um die Wirksamkeit der Behandlung zu erhöhen, halten Sie die Lösung mithilfe einer Pumpe oder alternativ eines einfachen Ausströmers leicht in Bewegung. Dies fördert den oberflächlichen Wasseraustausch und verbessert die Chelatbildung der Metalle.

Abschließendes Abspülen:

Am Ende der Behandlung die Steine gründlich mit reichlich Osmosewasser abspülen und das Wasser vorzugsweise ein paar Mal wechseln.
Dieser Schritt ist unerlässlich, um jede Spur von EDTA und den gebildeten Metallkomplexen zu entfernen und die Steine vollständig sicher für das Einsetzen ins Aquarium zu machen.

Trocknungsphase:

    • Lassen Sie die Steine an der Luft in einer sauberen und trockenen Umgebung trocknen.

    • Nach dem Trocknen sind die Steine endlich bereit für das Einsetzen ins Aquarium.

Weitere Überlegungen und Vorsichtsmaßnahmen:

  • Tragen Sie stets Handschuhe und eine Schutzbrille.
  • Arbeiten Sie in einem gut belüfteten Bereich.
  • Vermeiden Sie die Verwendung von Produkten, die im Protokoll nicht beschrieben sind.

Obwohl wir relativ ungefährliche Materialien ausgewählt haben, erfordert das Arbeiten mit Säure- und Oxidationsmittellösungen stets Aufmerksamkeit.
Es wird empfohlen, Handschuhe und eine Schutzbrille zu tragen, um einen versehentlichen Kontakt mit den chemischen Lösungen zu vermeiden, und die Behandlungen fern von Kindern und Tieren durchzuführen.
Natriumpercarbonat und Zitronensäure sind zwar wenig gefährlich, können jedoch Gase freisetzen oder Gerüche entwickeln. Wir empfehlen daher, stets in einem gut belüfteten Bereich zu arbeiten.


Um unnötige Risiken sowie die Entstehung giftiger oder schädlicher Gase zu vermeiden, verwenden Sie keine Bleiche oder andere im Protokoll nicht beschriebenen Bestandteile.


Vorteile des zweikomponentigen Behandlungsprotokolls:

Die zweistufige Behandlung mit Zitronensäure und Natriumpercarbonat bietet einen umfassenden, kostengünstigen und zuverlässigen Ansatz. Sie gewährleistet die Stabilität des biologischen Materials, entfernt wirksam die häufigsten unerwünschten Stoffe im Inneren und beseitigt mögliche Produktionsrückstände vollständig.

Die behandelten Steine sind somit bereit für eine langfristige Integration und tragen zur Stabilität des Systems bei, ohne die Wasserparameter und das empfindliche biologische Gleichgewicht zu verändern.


In der Hoffnung, dass dieser kleine Leitfaden Ihnen hilft und zur Vereinfachung der Handhabung durch Aquarienliebhaber beiträgt, stay tuned, stay salty und viel Freude beim Reefing an alle! ❤️

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